Gochsheimer Kirchweih und Friedensfest

Das Traditionsfest seit 1649

TraditionsfestWiedergewonnene Reichsfreiheit - Anhand von verschiedenen Aufzeichnungen soll der Überlieferung nach von den Gemeinden Gochsheim und Sennfeld im selben Jahr (1649 am 12. Sonntag nach Trinitatis, auch 1. Sonntag im September), aus Freude und Dankbarkeit über das Kriegsende und die wiedererlangte Reichsfreiheit ein feierliches Friedensfest begangen worden sein.

"Und wurde hierauf von unseren Vorderen das erstemahl ein solennes Friedensfest mit singen, musicieren und predigen gehalten, und dem allerhöchsten Gott für seine erzeigte Hülffe von jung und alt (unter großem Zulauf der Schweinfurter welche dem Gottesdienst auch beywohnten) Herzinnigst gedankt." Der Beschluss dazu wurde jeweils durch den Gemeinderat gefasst. Im selben Jahr wurde in Gochsheim auch die Kirchweih, die seit 1511 am 1. Sonntag im Mai begangen worden war, auf den Montag und Dienstag des Friedensfestes verlegt. "Ist von einem ehrsamen Gericht mit Zuziehung des damaligen Pfarrers unsere sogenannte St. Michaelis Kirchweihe, das erste Mahl auf den nächsten Montag und Dienstag festo Pacis verlegt, und den jungen Gesellen erlaubt worden einen Plan Tanz auszurichten. Davon schreibt sich der heute noch übliche Plantanz der jungen Burschen und Mädchen in geschmücktem Festgewande her." Freundeskreise - aber auch honore Bauernburschen und Mädchen richteten die Kärm aus. Fünf unbescholtene Paare -möglichst evangelisch- sollten es sein.
Zu den Vorbereitungen für die Kirchweih, die acht Tage vorher begannen, gehörten unter anderem der Weinkauf, sowie Gläser und Karaffen spülen. Die Ortsbewohner richteten ihre Häuser her: (Tore und Fenster streichen - in die gute Stube neuen Sand), Gasthäuser rüsteten zur bewirtung -Gänse-, Enten-, Rinder- und Schweinebraten, Kraut und Knöchli. Am "Kärwekuchenbackefreidi" werden Apfel-, Zwetschgen-, Streuselkuchen und Kaasplootz in rauhen Mengen für Besucher und Marktleute gebacken. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts unternehmen die Planpaare Werbefahrten zu den umliegenden Ortschaften.

Samstag:
Einholen der Fichten und des Planbaumes (der auch heute noch nachmittags aufgestellt wird), "Ständerli" beim 1. und 2. Bürgermeister und beim Pfarrer.

Sonntag:
Zum Gottesdienst um 9.30 Uhr ziehen die Planburschen alleine. Nach dem Kirchgang nehmen sie einen Ehrentrunk vor dem Wirtshaus. Dieser wird mit drei Tusch beglietet. Zum Mittagessen gehen die Planpaare gemeinsam.
Mittels Ständerli beim 1. Bürgermeister und beim Pfarrer (nur die drei Ältesten durften ins Haus), einer großen Weinkaraffe und WEingläser erfolgt nach dem Essen die Einladung zur Kirchweih. Anschließend wird der Plankuchen geholt. Dieser hatte früher die Form des Doppeladlers. Im Laufe der Zeit ist die Form immer einfacher geworden.
Die Planburschen tanzten am Plan mit den kleinen Mädchen "Gennsdreckli". Das soll die Unbescholtenheit symbolisieren. Auch hier gibt es einen Ehrentrunk und den dreifachen Tusch. Früher nannte man das "Gesundtrinken". Natürlich trinken die kleinen Mädchen nur "Gänsewein". Anschließend werden die Planmädchen abgeholt. Bei der Ältesten wird Kaffee und Kuchen serviert. Nun beginnt der Aufzug der Planpaare. Dieser beginnt mit der Ansprache des Planältesten. Bürgermeister, Pfarrer, Ortsbewohner und Tanzlustige lässt man Hochleben. Nun nimmt man wieder dreimal einen Ehrentrunk mit jeweiligem Tusch. Jetzt beginnt der Tanz. Mit Walzer, Rheinländer -mit eingesprungenem 3-Schritt-Dreher, Hüpfer (Schottisch) und einem Dreischrittdreher eröffnen die Planpaare den Kirchweihtanz.
Dann werden die Honorationen - Bürgermeister und Pfarrer durch die Ältesten eingeführt. Mit dem Ruf des Planältesten: "Der Plaa ist frei für Jedermann", können dann alle Bürgerinnen und Bürger ihr Tanzbein schwingen. Übrigens erhob man bis 1974 noch ein Tanzgeld. Der Trachtenverein und ehemalige Planpaare brachten wieder Frankenwein zum Ausschank.

Kerwamandi (Kirchweihmontag):
Der Aufzug der Planpaare und Ablauf der Kirchweih spielt sich wie am Sonntag ab; allerdings ohne Ständerli.

Kerwädiensdi (Kirchweihdienstag):
Bei den Geschäftsleuten und im Dorf wurden Ständerli gespielt. Früher gingen die Planpaare unter sich von Haus zu Haus und nahmen überall Mahlzeiten ein.
Am Donnerstag ist noch das "Eierschmalzessen" mit viel Lustigkeit und Blödsinn.

Nachkirchweih:
Die Nachkirchweh beginnt ebenfalls mit dem Kirchgang. Anschließend der übliche Plantanz (früher war kein Tanzvergnügen in den Sälen erlaubt). Beim Abziehen werden Taschentücher geschwenkt und gejammert: "Jetzt it dia schöö Kärm a wieder rümm." (Jetzt ist die schöne Kirchweih auch wieder vorbei)
Vor dem ABzug am Plan verabschiedeten die Musikanten die Gäste mit einem Ständerli -ein Solo eines guten Tromperters- S'is Feierabend. Seit Jahrzehnten warten die große Tanzschar und auch Schaulustige auf den ABzug. Mehrere Hundert Kirchweihbesucher ziehen vom Plan bis zum Lokal der Planpaare im Hüpferschritt und fordern noch eine Ehrentour mitten auf der Straße. Dass der "Gochsheimer Planmarsch", ein Marschstück im Schottischtempo, den Abschluss bildet, versteht sich von selbst. Mit dem leicht erlernbaren Text: da ram dam, dar ram dam, da ra rara ram dam - usw...,  hat Gochsheim seine eigene Hymne - wie Schweinfurts Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser etwas neidvoll anmerkte.

Planmusik:
Weit über hundert Jahre spielten einheimische Musikanten den Plantanz und das "Reinspielen" am Samstag und Kärwediensdi. Ab 1960 spielte der Musikverein Schweinfurt - Adolf Herda. Von 1970 bis 1975 die Michelaucher Heimatkapelle mit Musikmeister Sepp Böhm. 1976 spielte die Unterspiesheimer Blaskapelle mit Richard Dittmann. seit 1984 bis heute spielen die Mönchstockheimer Musikanten - Leitung Martin Beck.
Voraussetzung für die jeweilige Kapelle war immer, die Tänze musikalisch zu beherrschen. Die Plantour, wie erwähnt: Walzer, Rheinländer, Schottisch und Dreher. Nach Meinung gewisser Fachleute schlich sich beim Dreher eine Unart ein. Wurden früher drei Dreher getanzt und abkassiert -drei zu fuchzig- und als Dank der Musikanten ein Zipferle drauf, reihen sich heute oft 10-15 Dreher ein, die jedoch nicht ganz ausgespielt werden.
Zeremonien und Ablauf des Kirchweihgeschehens haben sich bis heute wenig verändert. Stolz sind wir auf die Kulisse unseres historischen Rathauses mit dem unverkennbaren Fachwerk aus dem Jahre 1561-62.

Karussell, Schießbuden und vieles mehr gehören natürlich auch zur Kirchweih. Die Gochsumer Kärm steckt tief im Bewußtsein der Gochsheimer.

Eine nur wenig bekannte Sitte soll sich 8 Tage nach Kirchweih vollzogen haben: Das Göiker ausschlaan (schlagen). Auf der Atzmannwiese - mit Seilen abgesperrt - wurden den Planburschen die Augen verbunden. Sie mußten mit einem Stecken einen Topf treffen, unter dem sich ein Hahn (Goiker) darunter befand. Die Burschen wurden mit falschen Zurufen aus ihrer Orientierung gebracht. Mit Blasmusik und Bier endete dann endgültig die "Gochsumer Kärm" (Überlieferung Johann Prappacher).

Und noch eins: Die Schultheiß-Bürgermeister haben schon immer eine große Rolle gespielt. Bewahren alte Sitten und Bräuche.

Es ist halt die "Gochsumer Kärm".

 Gerd Spitzner